Equipagen - Geschirre

 

schon seit Jahrhunderten werden für verschiedene Funktionen und Einsatzbereiche Fahrgeschirre hergestellt. Die Hochblüte des Fahrens, und damit auch der Geschirrmacher, war 1880 – 1910. Dann kam die zunehmende Industrialisierung und das Automobil.

 

Die Entwicklung des Verkehrs nahm eine ganz andere Richtung, sodass die Sattlerkultur mit dem zweiten Weltkrieg abbrach. Praktisch wurde nur noch aufgebraucht, was an Geschirren vorhanden war. Nur noch wenige hochwertige Geschirre wurden angefertigt.

Nach dem Krieg wurde daher der Sattler zum Raumausstatter.

Damit war das Fachwissen der Sattler nicht mehr gefragt, und es ging viel Wissen verloren.

Bis in die 70er Jahre wurde von den alten Beständen gelebt, was sehr für die Qualität der alten Handwerksprodukte spricht. Ab 1980 wurde in einzelnen Betrieben die Geschirrherstellung wieder aufgenommen, weil Geschirre vom Fahrsport wieder benötigt wurden.

 

Heute taucht immer wieder die Frage auf: Warum kann man beim Traditionsfahren nicht auf alte Geschirrbestände zurückgreifen?

 

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Leder hat von sich aus schon eine lange Lebensdauer. Vorausgesetzt sind natürlich optimale Lagerung und Pflege. Dann können Geschirre durchaus 100 Jahre und länger im Einsatz sein.

Es gibt noch schöne, stilvolle Geschirre im Umlauf, die aber aus Sicherheitsgründen nicht mehr eingesetzt werden können, da das Leder brüchig und ausgetrocknet ist.

Solche Geschirre sind besser in Museen aufgehoben. Oft passen auch die alten Geschirre den heutigen Pferdezüchtungen überhaupt nicht mehr.

 

Es gibt aber mehrere Möglichkeiten, diese Geschirre wieder einsetzbar zu machen:

 

1. Die alten stilvollen Geschirre kann man zerlegen, alle Beschläge herausnehmen und aufarbeiten, neue Schnallendorne einsetzen und verschlissene Beschläge nachgießen.

Außerdem ist es möglich, dieselben Schnittmuster auf neuem Leder zu verwenden und den Pferden des Kunden anzupassen.

 

2. Wenn es ein sehr guter  Handwerksbetrieb ist, verfügt dieser heute wieder über ein umfangreiches Wissen über alte Beschläge. In diesem Falle können dort stilgerecht zu den Anspannungen des Kunden eine Vielfalt an schönen handwerklichen Arbeiten angeboten werden:

- Einspänner als Kumt- oder Brustblattgeschirr mit Scherenträgern und Hintergeschirr für vierrädrige Wagen.

- Kumtgeschirr mit Dogcartverschlüssen an Selettes mit durchlaufenden Riemen, Hintergeschirr oder Trageriemen für Cabriolet- oder Tilburyanspannungen.

- Tandemgeschirre mit Kumt für das Gabelpferd, feinem Brustblatt für das Vorderpferd, langen Strängen zum Einhängen mit Wiener Haken oder kürzeren Strängen für das Tandem-Doppelortscheit.

 

Im Zweispännerbereich werden Brustblattgeschirre heute überwiegend in sehr schlichter Ausführung für Landanspannungen eingesetzt, wofür auch schlicht gearbeitete Kumtgeschirre mit schwarzen Beschlägen und ledereingefassten Kumtbügeln zum Einsatz kommen.

Kumtgeschirre mit Silberplattierung und langen Kastenschlaufen fanden ihren Einsatzbereich bei Landauern und Stadtcoupès, welche von Bediensteten gefahren wurden.

 

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Parkgeschirre für große Wägen, wie z.B. Breaks oder Coaches sind Kumtgeschirre mit Messing- oder Silberplattierung mit kräftig ausgearbeiteten Kumten, geradlinig geschnittenen Kammdeckeln, eckigen und leicht abgerundeten Scheuklappen und Spielern in Tropfenform. Die Embleme waren die Initialen des Namens des Besitzers. Scheuklappen, Spieler und Kumtbeläge können in Lackleder, hochglänzendem Glattleder oder in genarbtem Prägeleder gefertigt werden.

Coaches oder große Breaks werden grundsätzlich vierspännig angespannt. Dort haben die Vorderpferde keinen Koppelriemen.

 

Bestimmte Merkmale der Road-Coach-Geschirre:

- Starke, ausgeformte Kumte, die oft in braunem Leder gehalten wurden.

- Schwere Kumtbügel mit geschmiedeten Haken und einer Schlusskette am unteren Ende.

- Die Strangstutzen sind mit einem stehenden, beweglichen Ring in den Kumtbügel eingearbeitet.

- Die Oberblattstrippen bestehen aus einem losen, auswechselbaren Riemen.

- Die Kammdeckel sind gerade geschnitten.

- Die Fahrzäume haben eckige, leicht abgerundete Scheuklappen und sind oft mit einem Emblem in Form einer Vorwaage versehen – das Zeichen des Coachings.

- Stirnbänder sind in der Wagenfarbe karoförmig abgesetzt.

 

Bei Road-Coach-Geschirren werden keine Hintergeschirre, keine Strangträger, keine Sprungriemen und an den Vorderpferden keine Koppelriemen eingesetzt.

 

Halbgalageschirre sind gold- oder silberplattiert, mit Wappen oder Verzierungen, meist Kastenschlaufen, für Berlinen und noble Reisewägen.

 

Galageschirre für Kaleschen:

Dies sind oftmals Kumtgeschirre mit gold- oder silberplattierten, ziselierten Galabeschlägen. Sie sind reichlich verziert mit Wappen und Kronen. Kaleschen wurden oft „á la Daumont“, vom Sattel aus, gefahren. Zwei- bis zum Vierspänner.

 

Eine sehr spezielle Anspannung ist die Curricle-Anspannung

 

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Es sind zwei Pferde vor einem einachsigen Wagen, versehen mit einer Deichsel.

Über den Selettes der Pferde verläuft eine Curriclestange, an der die Deichsel aufgehängt ist.

 

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Diese Anspannungsart kommt nicht häufig vor, da die Abstimmung zwischen Pferden und Wagen sehr kompliziert ist.

 

Dieses komplette Programm kann nur in einer Sattlerei mit langjähriger Erfahrung und entsprechend vorzüglicher Qualität, genau so geplant und original hergestellt werden.

 

 
 

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