Equipagen - Feiner Zwirn

 

Im Traditionsfahrsport wird angestrebt, die Blütezeit des Gespannfahrens um 1900 nachzuempfinden.

Somit ergibt es sich fast von selbst, sich mit der Kleidung ebenfalls an dieser Epoche zu orientieren.

Grundsätzlich gilt, dass alle auf der Kutsche fahrenden und mitfahrenden Menschen eine ihrer Position entsprechende Kopfbedeckung tragen.

Besonders schön ist dann auch, wenn diejenigen, die diese Kleidung tragen, es sich zur Selbstverständlichkeit werden lassen, sich darin wohl zu fühlen.

Es ist wünschenswert, dass diese Kleidung nicht nur während der eigentlichen Prüfung getragen wird, sondern während der gesamten Veranstaltung, um dieser ein entsprechendes Flair zu geben.

Aus diesem Grund ist es auch meist nicht das Richtige, sich die Kleidung beim Kostümverleih zu leihen. Oft ist es dann zum einen meist nicht am besten um die Passform bestellt, und zum anderen handelt es sich dann oft auch um Abendgarderobe, die sich für unsere Zwecke nicht oder nur bedingt eignet.

 

Kleidung des Herrn

Als Fahrer von sportlicheren Kutschen sollte man sich an einem traditionellen Sportdress orientieren.

Fährt man einen Wagen, der zum Promenieren im Park oder zu Fahrten zur Rennbahn eingesetzt wurde, ist der selbstfahrende Herr mit einem dunklen Morningcoat bestens gekleidet.

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Zum Morningcoat werden eine Weste und eine Stresemannhose getragen.

Um den Hals trägt der Herr zum Morningcoat einen Plastron oder eine Krawatte (vor 1890 Plastron, danach eher Krawatte).

Als Kopfbedeckung passt dazu bestens ein etwas höherer grauer oder auch schwarzer Zylinder. Bei sommerlichen Temperaturen passt zu dieser eleganten Anspannung auch ein Strohhut; der sogenannte Canotier, der auch als Kreissäge bezeichnet wird sowie ein leichter Sommeranzug.

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Trägt der Herr einen etwas legereren Anzug, kann zu diesem auch ein Panamahut getragen werden.

Fährt der Herr z.B. einen ländlicheren Dog-Cart, einen Jagdwagen oder auch eine Wagonette, so ist er hier mit Tweedsakko und dazu passender Weste und Hose bestens gekleidet. Als Kopfbedeckung empfiehlt es sich, dazu eine braune Melone oder eine passende Mütze zu tragen.

Der selbstfahrende Herr wie auch die selbstfahrende Dame sollten eine Kniedecke (Apron) tragen, um die Kleidung nicht mit den Leinen zu beschmutzen.

Die Kniedecke sollte im Sommer nicht zu lang und zu dick sein.

 

Kleidung der Dame

Als Fahrerin von sportlicheren Kutschen sollte man sich am Dress einer Sportslady orientieren.

Hier sind hochgeschlossene Kostüme in nicht zu grellen Farben besonders geeignet, die besonders damenhaft wirken.

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Da die Dame auf der Kutsche recht hoch sitzt und es nicht wünschenswert ist, dass sie zu viel Bein zeigt, sollten die Röcke nicht zu kurz getragen werden.

Als Kopfbedeckung für die Fahrerin eignen sich kleinere, kecke Hüte mit nicht zu üppigen Schlaufen oder Federn. Große Hüte würden sowohl die Sicht nicht unerheblich beeinträchtigen, als auch beim ersten starken Windstoß vom Kopf der Dame gerissen.

 

Die Kleidung des Kutschers

Was der englischen Livree eine so allgemeine Verbreitung verschafft hat, ist ihre geschmackvolle, ungemein vornehm wirkende Einfachheit.

Der Rock ist aus schwarzem oder dunkelblauem Tuch. Der einzige Schmuck besteht aus einem einfachen Samtkragen und Livreeknöpfen aus Metall. Die Rockschöße sind an den Seiten mit Patten (Klappen über den Taschen) versehen.

Unter dem Rock wird eine quer gestreifte Weste in den Wappenfarben getragen.

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Der Kutscher trägt ein Hemd mit hohem Stehkragen, der von einem schneeweißen Plastron umschlossen wird.

Es werden weiße Lederhosen getragen. Sofern diese nicht mehr verfügbar sind, dürfen auch weiße Stoffreithosen ohne Kniebesatz getragen werden.

Als Stiefel trägt der Kutscher Reitstiefel mit braunen oder champagnerfarbenen Stulpen, die nach Möglichkeit etwas niedriger sind als die heute üblichen Reitstiefel.

Als Kopfbedeckung trägt der Kutscher einen höheren schwarzen Zylinder (keinen Chapeau claque).

 

 

 

Die Kleidung des Grooms

Die Kleidung des Grooms ist bis auf wenige ins Auge fallende Details genau dieselbe wie die des Kutschers. Zu beachten bleibt, dass der Rock des Grooms an den seitlichen Taschen keine Patten hat, die Rockschöße etwas kürzer sind, der Rock auf der vorderen Seite einen Knopf weniger hat und auf der Rückseite abwärts der Taille auf jeder Seite über drei Knöpfe verfügt.

 

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Land- und Interims-Livree

Die Landlivree besteht aus einem hochgeschlossenen Jackett, darunter eine dazu passende Weste, entweder mit langen Hosen oder Reithosen und Ledergamaschen, Horn- oder Steinnussknöpfen.

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Der Anzug wird aus feldgrauem Stoff oder, was noch schöner aussieht, aus Whipcord oder Covert-Coat-Gewebe in Pfefferfarbe hergestellt.

Als Kopfbedeckung wird eine Mütze, eine braune oder schwarze Melone oder ein schwarzer, etwas niedrigerer Zylinder getragen.

 

Diese Livree passt besonders gut zu ländlicheren Gespannen wie einem Dogcart in Naturholz (Derby-Cart), Deutschem Jagdwagen, Achenbachjagdwagen und Wagonette.

 



Für diejenigen, die sich eingehender mit der Kleidung für Traditionsfahrturnieren beschäftigen wollen, empfehlen wir folgende Lektüre:

 

Victorian Fashions & Costumes

From Harpers Bazar 1867-1898

von Stella Blum

 

Englischer Sport in alten Drucken von F. C. Wilder

ISBN 3-7031-0418x

 

Der Gentleman

Handbuch der klassischen Herrenmode

von Bernhard Roetzel

ISBN 978-3-8331-5269-6

 

Anspannen und Fahren

von Benno von Achenbach

Verlag Dr. Rudolf Georgi, Aachen – Germany

 

Das Luxusfahrwerk

Carl Gustav Wrangel

Olms-Verlag

ISBN 3-487-08236-5

 

Fahrkunst Driving

von Andres Furger

Georg Olms Verlag

ISBN 978-3-487-08484-8

 
 

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